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Das Hochzeitshaus wurde 1610-1617
als Fest- und Feierhaus der Bürgerschaft errichtet. Es ist das letzte im Stil der
Weserrenaissance erbaute Gebäude in Hameln, denn bereits im Jahr nach der Fertigstellung
beschneidet der 30jährige Krieg die Entwicklung der Bautätigkeit.
Der große Festsaal befand sich im zweiten Stockwerk. Die übrigen Geschosse beherbergten
die Stadtwaage, einen Gerichtssaal, eine Weinschenke ("Ratsschenke"), eine
Rüstkammer der städtischen Wehr sowie die Ratsapotheke. Diese wurde ab 1821 von
Friedrich Wilhelm Sertürner, dem Entdecker des Morphiums, geführt.
Der 43 m lange Baukörper aus Sandstein ist ganz in der Tradition der Weserrenaissance
betont horizontal gegliedert. Über die Giebel- und Traufseiten sind umlaufend breite
Gurtgesimse angeordnet. Bänder aus Bossenquadern mit Kerbschnittmotiv wechseln sich
schichtenweise mit glatten, schmucklosen Bändern ab. Die hohen Volutengiebel und die drei
Zwerchhäuser der südlichen Traufseite erinnern sehr stark an die Bauplastik am Schloß
Hämelschenburg, so dass die Pläne für beide Bauten dem aus Barntrup stammenden Eberhard
von Wilkening zugeschrieben werden.
Das Glockenspiel am Hochzeitshaus ersetzt seit 1964 die 1934 im alten Rathaus angebrachte
und am 5.4.1945 durch den Krieg zerstörte Rattenfänger-Kunstuhr.
Das Glockenspiel spielt täglich um 09.35 Uhr das Rattenfängerlied:
"Wandern ach wandern durch Berg und Tal." Text von Kunz, vertont von Neuendorf.
um 11.35 Uhr das Weserlied:
"Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen." Text von
Dingelstedt, vertont von Pressel.
Um 13.05 Uhr, 15.35 Uhr, 17.35 Uhr öffnet sich die Bronzetür und Sie können das
Figuren- und Glockenspiel mit der Rattenfängersage sehen. Die Melodie stammt von Jürgen
Langehein. Die Figuren sind von Walter Volland. |