Hochzeitshaus
Hochzeitshaus
Das Hochzeitshaus wurde 1610-1617 als Fest- und Feierhaus der Bürgerschaft errichtet und trug bis in das 19. Jahrhundert hinein einfach den Namen das „Neue Gebäude“. Es ist das letzte im Stil der Weserrenaissance erbaute Gebäude in Hameln, denn bereits im Jahr nach der Fertigstellung beschneidet der 30jährige Krieg die Entwicklung der Bautätigkeit. Neben einem großen Saal und Räumen für die Lagerung der städtischen Waffen sollten städtische Einrichtungen wie die Ratsapotheke, die Ratswaage und die Weinschenke in dem Gebäude untergebracht werden. Daher wurden die drei Portale an der Osterstraße mit Inschriften versehen, die auf den jeweiligen Zweck des Gebäudeteils hinweisen.

Der große Festsaal befand sich im zweiten Stockwerk (1. OG). Im zweiten Obergeschoss befand sich eine Rüstkammer der städtischen Wehr, im Erdgeschoss eine Weinschenke sowie eine Ratsapotheke. Diese wurde ab 1821 von Friedrich Wilhelm Sertürner (1783-1841), dem Entdecker des Morphiums, geführt. Die Ratswaage wurde entgegen den Plänen nicht im Hochzeitshaus untergebracht. Schon 1652 hatte der Rat der Stadt eine „Ordnung wegen der Hochzeiten und Kindtaufen“ erlassen, um übertriebenen Luxus bei den Feierlichkeiten zu unterbinden. Endgültig untersagt wurden die Feiern im 18. Jahrhundert – im Mai 1721 fand die letzte Hochzeitsfeier statt.

Der 43 m lange Baukörper aus Sandstein ist ganz in der Tradition der Weserrenaissance betont horizontal gegliedert. Über die Giebel- und Traufseiten sind umlaufend breite Gurtgesimse angeordnet. Bänder aus Bossenquadern mit Kerbschnittmotiv wechseln sich schichtenweise mit glatten, schmucklosen Bändern ab. Die hohen Volutengiebel und die drei Zwerchhäuser der südlichen Traufseite erinnern sehr stark an die Bauplastik am Schloss Hämelschenburg.

1931-1932 wurde das Hochzeitshaus für die Zwecke der Stadtverwaltung umgebaut. Dabei wurde auf der Nordseite am Lüttjen Markt ein Erker errichtet, der mit Glasfenstern von Rudolf Riege (Bilder) und Bernhard Flemes (Texte) versehen ist.

Das Glockenspiel am Hochzeitshaus ersetzte 1964 die 1934 im alten Rathaus angebrachte und am 5.4.1945 durch den Krieg zerstörte Rattenfänger-Kunstuhr.

Das Glockenspiel spielt täglich um 09.35 Uhr das Rattenfängerlied "Wandern ach wandern durch Berg und Tal." Text von Walther Schulte vom Brühl (1858-1921), vertont von Adolf Neuendorff (1843-1897) und um 11.35 Uhr das Weserlied: "Hier hab ich so manches liebe Mal mit meiner Laute gesessen." Text von Franz von Dingelstedt (1814-1881), vertont von Gustav Pressel (1827-1890).

Um 13.05 Uhr, 15.35 Uhr, 17.35 Uhr öffnet sich die Bronzetür und Sie können das Figuren- und Glockenspiel mit der Rattenfängersage sehen. Die Melodie stammt von Jürgen Langehein (1923-1992). Die Figuren wurden von Harro Siegel (1900-1985) entworfen und von Walter Volland (1898-1980) ausgeführt.

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