Hochzeitshaus


Im Mittelalter spielte sich der Handel in und um das Rathaus herum ab, das als Ort der Marktkontrolle (Ratswaage) integraler Bestandteil des Marktes war; daneben dienten Teile des Rathauses, besonders seine ebenerdigen Räume, dem Verkauf von Waren. In den mittelalterlichen Quellen wird daher das Rathaus auch als „kophus“ bezeichnet.

Das alte Hamelner Rathaus stand vor dem Hochzeitshaus und der Marktkirche und wurde am 5.4.1945 zerstört. Ein Modell findet sich an der Ostseite der Marktkirche in der Emmernstraße.

Belegt ist für das 14. Jahrhundert, dass sich Verkaufsstände an Rathaus und Marktkirche befunden haben. In einer Zinsbeschreibung aus der Mitte des 14. Jahrhunderts heißt es: „Von zwei Buden, vor dem Rathaus gelegen, 18 Schillinge.“ Die Händler hatten für ihre um und im Rathaus gelegenen Verkaufsstände also eine Art Standgebühr zu entrichten.

Bekannte Verkaufsstände waren die der Knochenhauer und Bäcker, nämlich der Fleischerscharren und die Bäckerscharren (Scharren = Tische und Bänke bzw. Gebäude, die dem Verkauf von Fleisch und Brot dienen). Der Fleischerscharren war bis zum Jahr 1726 mit dem Haus Osterstraße 52 verbunden (heute: Bäckerei Bäckerscharren). Einer der Bäckerscharren war mehrere Jahrhunderte mit dem Haus Osterstraße 51 (heute: Rathsapotheke) verbunden, wurde 1788 zwischen das Rathaus und das Hochzeitshaus verlegt und bestand dort bis 1946. Platten aus dem Giebel des 1946 abgebrochenen Bäckerscharrens sind an der Südwestecke des Hochzeitshauses unterhalb des Glockenspiels angebracht worden.

Ein zweiter Bäckerscharren war mit dem Rathaus verbunden und wurde dort 1699 bei baulichen Veränderungen „ruiniert“. Erstmals erwähnt wurde ein Scharren in einem Güter- und Einkünfteverzeichnis der Kanoniker des Bonifatiusstiftes um 1315. Diese erhielten „von einem Scharren nahe bei der Marktkirche 4 Schillinge“. Der Zwang, Fleisch und Brot nur in den Scharren zu verkaufen, wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts aufgehoben.

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